Lago di Como: Serpentinen mit Seeblick

Der Lago di Como vereint alpines Panorama und mediterranes Flair: tiefblaues Wasser, prächtige Villen und kurvenreiche Straßen. Kultur, Geschichte und Dolce Vita treffen auf Glamour, Luxus und Natur.


Hält man die Landkarte (für Digital Natives der Gen Z: ein ausgedrucktes Google Maps) richtig in der Hand, liegt der Lago di Como wie ein am Kopf stehendes Y in der Landschaft: Im Norden das Seebecken von Colico, im Südwesten Como, im Südosten Lecco. Die südlichen Ausläufer der Alpen umringen den See; an den beiden südlichen Enden liegen zwei größere Städte mit entsprechendem Verkehrsaufkommen. Städte, die man bei einer kompletten Umrundung des Comer Sees nicht vermeiden kann. Fünf Fährverbindungen in der Mitte des Sees dienen als herrliche Abkürzungen um kleines Geld.

Dass Radfahren in Italien ein Volkssport ist, weiß jeder, der schon einmal am Sonntag in die Berge fuhr.

Eine überregional bedeutende Sehenswürdigkeit ist die kleine Kirche in Ghisallo, deren Interieur unvorbereitete Besucher garantiert überrascht. Zwischen Lecco, Bellagio und Como aufgespannte Triangolo Lariano ist für unmotorisierte Zweiräder geradezu heiliger Boden. Papst Pius XII. ernannte die Madonna del Ghisallo anno 1949 zur Schutzpatronin der Radfahrenden. Seither pilgern selbige nach Magreglio, um Trikots, Trophäen, Wimpel, Fotos oder sogar ganze Fahrräder darzubringen – oder zu bewundern.

Als rechtschaffene Motorradreisende zieht es uns natürlich auf die Alm, wo es bekanntlich keine Sünde gibt.

Der Monte Sighignola liegt unmittelbar an der italienisch-schweizerischen Grenze. Er ist über eine schmale Asphaltstraße erreichbar. Der Endpunkt bietet mit dem Aussichtspunkt „Balcone d’Italia“ einen beeindruckenden Ausblick über den Luganer See sowie auf den Gran Paradiso und die Viertausender der Berner und Walliser Alpen.

Könner am Gasgriff dürfen den Abstecher bis zur Schweizer Zollstation im Valmara-Tal keinesfalls auslassen – die engen Serpentinen mit argen Steigungen sind ein Meisterwerk der Straßenbaukunst. Eine Schotterstraße, die man tunlichst mit jedem Motorrad, das nicht ein reinrassiges Rundstreckenbike ist, mitnehmen sollte, ist die fantastische Zufahrt zum Rifugio Venini. Der auch mit Straßenreifen einfach bewältigbare Almweg führt mit gewaltigen Ausblicken nahezu horizontal am Hang entlang und endet an der mit zahlreichen Liegestühlen bestückten Panoramaterrasse der Schutzhütte.

Eine Geschichte über den Lago di Como ohne die Erwähnung von Europas ältestem durchgehend Motorräder produzierenden Hersteller ist unvollständig: Seit 1921 schlägt das Herz von Moto Guzzi in Mandello del Lario. Auf der Piazza del Commune erinnert eine Statue an Carlo Guzzi. In der Pizzeria Al Ghezz dienen die charakteristischen V-Motoren als Lokaldekoration und Bier-Zapfanlage, die Barhocker tragen Guzzi-Motorradsättel. Für Fans der Marke ist der Besuch des Werks und des Museums Pflicht; ab September 2026 sollen die laufenden Umbauarbeiten abgeschlossen sein – und den Besuchern eine völlig neue Moto Guzzi-Erlebniswelt offenstehen.

Recherche der Route, Fotografie und Reportage
Motorradmagazin 8/2025 🇦🇹