Australien: Auf der Suche nach dem Känguru

Wir verlieben uns in einen faszinierenden Kontinent, der lebensfeindliche Umgebungen ebenso beheimatet wie blühende Gärten, wo undurchdringliche Regenwälder mit fast endlosen Traumstränden abwechseln. Ein Land, in dem die giftigsten Tiere und die vielleicht freundlichsten Menschen des Planeten ihre Heimat gefunden haben.


12.539 Kilometer Australien hat der Bayernboxer in fünf Wochen gesehen. Gefühlte 12.538 davon sind schnurgerade.

Der charakteristisch abgefahrene Hinterreifen des Mopeds legt ein beredtes Zeugnis von der wenig kurzweiligen Straßeninfrastruktur ab, die fantastische Naturlandschaften über große Distanzen auf direktem Weg verbindet. Das ist natürlich ungerecht, denn die (sorry, liebe Geografielehrer) rechte untere Ecke des Kontinents ist zwischen Sydney und Melbourne richtig kurvig. Da geht es am Alpine Highway bergauf und bergab, Verkehrszeichen warnen vor einer kurvenreichen Strecke mit schlanken 64 Kilometern Länge. So soll es sein!

Der Höhepunkt unserer Australienreise ist hingegen gar nicht so hoch: Der Gipfel des Uluru, wie der Ayers Rock politisch korrekt genannt wird, liegt auf 867 m Seehöhe. Damit wird er sogar vom Schöpfl, dem höchsten Berg im Wienerwald, geschlagen. Nachdem der rote Koloss jedoch satte 348 m aus der ihn umgebenden brettlebenen Pampa herausragt, ist der Grad der Beeindrucktheit beim ersten (und zweiten und jedem folgenden) Anblick durchaus gewaltig.

Nach einem regnerischen Tag rinnen Wassermassen entlang der Furchen seiner Oberfläche, schießen in Kaskaden zu Boden und hinterlassen gut sichtbare dunkle Spuren auf dem Felsen. Die durch Erosion entstandenen Löcher zeichnen Muster, die für die Ureinwohner Australiens große religiöse Bedeutung haben. Viele Stellen des Monolithen sind als geheiligte Orte gekennzeichnet, was bedeutet, dass sogar das Fotografieren untersagt ist.

Quirlig wird es im Nationalpark, wenn der Tag zu Ende geht.

Das in jedem Reiseführer erwähnte Farbspiel bei Sonnenuntergang ist mit Worten kaum zu beschreiben: Der im Idealfall blitzblaue Spätherbst-Himmel kontrastiert mit dem saftig grünen Buschwerk und dem strohgelben, von der Sonne verbrannten Spinifex-Gras. Aus dem fahlen Ocker der vernarbten Oberfläche wird erst leuchtendes Orange, dann glühendes Rot, bis der Monolith langsam, aber unaufhaltsam von den Schatten der Dämmerung eingeholt wird und mit der schwarzen Luft verschmilzt.

Ebenso einzigartig ist auch das Erleben eines Sonnenaufgangs (ein Zeitpunkt, zu dem nur geringfügig weniger Touristenbusse im Park unterwegs sind). Wer den Moment, in dem die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont leuchten, weniger gesellig verbringen möchte, sucht sich einfach ein Plätzchen am sunset-Parkplatz.

Ob ein Motorrad auf den langen Geraden, die das Verkehrsnetz des Landes nachhaltig prägen, das ideale Verkehrsmittel ist, sei dahingestellt: Nur wer dem Reiz der einspurigen Fortbewegung bedingungslos verfallen ist, wird einem Geländewagen in jedem Fall die kalte Schulter zeigen. Mit einem Supersportler landet man bei rigoros überwachten Tempolimits vermutlich eher in der Psychiatrie als am gegenüberliegenden Ende des Landes. Wer mit einem Chopper oder einer Reiseenduro ohne große Hast das Land erleben möchte, hat mit dem Motorrad nicht nur die Natur an seiner Seite, sondern gewinnt auch die Herzen der ohnehin sehr freundlichen und hilfsbereiten Bevölkerung.

Fotografie und Reportage