Belluneser Dolomiten: Am Rand der Alpen

Sonnige Hochebenen, dunkle Schluchten, kurvenreiche Passstraßen: Der Nationalpark der Belluneser Dolomiten bietet ein fantastisches Motorraderlebnis ohne Urlauberkarawanen.


Bei Radfahrern hat der mit anfeuernden Bodenmarkierungen im typischen Rosa des Giro d’Italia geschmückte Pass Kultstatus, während Motorradfahrer die Route nur selten am Radar haben.

„Vor der Erfindung der Fahrrad-Gangschaltung war links und rechts ein Kranzl montiert; zum Ändern der Übersetzung musste man das Hinterrad ausbauen und umgedreht wieder reinbasteln. Eine zache Geschichte, besonders in jenem Schneesturm, der am 4. November 1924 über den Croce d’Aune hinwegzog. Der ebendort ein Radrennen anführende Tullio Campagnolo scheiterte an den Flügelmuttern des Hinterrades, musste den Pass folglich mit einer unpassenden Übersetzung erklimmen – und wurde vom Peloton wieder eingeholt. Diesem ärgerlichen Erlebnis folgte die Erfindung des Schnellspanners für Fahrradnaben. Auch die erste praxistaugliche Schaltung entsprang einem Geistesblitz des Inventores. Heute ist die Firma Campagnolo einer der Weltmarktführer für hochwertige Fahrrad-Komponenten.“ So doziert Peter, mit seinem Küchenitalienisch-Vokabular die Infotafel des ausgesprochen bildhaft gestalteten Marmordenkmals auf der 1011 Meter messenden Passhöhe des Croce d’Aune übersetzend.

Bei Radfahrern hat der mit anfeuernden Bodenmarkierungen im typischen Rosa des Giro d’Italia geschmückte Pass Kultstatus, während Motorradfahrer die Route nur selten am Radar haben. Schwerer Fehler! Denn die enge Nordrampe führt durch verwinkelte Dörfer auf die Passhöhe, und auf der Südrampe des Passes geht es flüssig bergab ins Valbelluna, ein relativ ruhiges Tal zwischen den Belluneser Voralpen und dem Nationalpark der Belluneser Dolomiten. Die großen Hauptstraßen entlang der Piave nehmen den überregionalen Verkehr auf, wir rollen parallel dazu gemütlich durch die kleinen Dörfer. Ein paar schnellere Kurven, dann wieder ein café am Straßenrand: So muss Italien!

Über das Valle del Primiero komplettieren wir die westliche Schleife unseres Routen-Achters und stehen wieder vor Tullio Campagnolos Denkmal am Croce d‘Aune. „Früher war das Erfinden viel einfacher“, erklärt mir Peter, „weil da hat’s ja noch nichts gegeben.“

Recherche der Route, Fotografie und Reportage für das Motorradmagazin