Marokko: Königreich der Himmel

Lebendiges Weltkulturerbe, orientalische Exotik und herzliche Gastfreundschaft an der Nahtstelle von Europa und Afrika: Eine Motorradreise durch Marokko führt nicht nur von den Weiten des Atlantiks bis an den Rand der Sahara, sondern auch durch das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.


20 Grad zeigt das Thermometer – so muss Februar!

Richtung Westen reicht die sanfte Hügellandschaft bis zum Horizont. Saftiges Grün sprießt aus den fruchtbaren Böden, während benachbarte Felder wie vor 100 Jahren mit einer Pferdestärke gepflügt werden. Schafe weiden friedlich im warmen Licht der Frühlingssonne. Orangenplantagen säumen den Weg. Sie wechseln sich mit Kakteen, blühenden Mandelbäumen und knorrigen Olivenbäumen ab, deren Alter eher in Jahrhunderten als in Jahrzehnten gezählt wird.

Frisch gefallener Schnee taucht das karge Hochplateau in ein strahlend weißes Kleid.

Nur wenige Kilometer südlich von Fès erhebt sich der Mittlere Atlas. Schattige Steineichen- und Zedernwälder begleiten die Straße, die flott an Höhe gewinnt, während die Temperatur im GS-Cockpit ebenso flott abfällt.

Wer ein wenig im Winterwonderland Nordafrikas verweilen mag, kann sich auf 2000 Metern Seehöhe eine aus alten Schi und Europaletten zusammengeschusterte Rodel ausborgen und sein sportliches Glück auf einem schlecht präparierten Hang versuchen oder die zutraulich herumtollenden Berberaffen mit Erdnüssen verwöhnen.

Nach den 50 Shades of Green der Region um Fès und dem strahlenden Schneeweiß im Mittleren Atlas begrüßt uns das trockene Südmarokko mit Ockerfarben und Beige.

Der im Hohen Atlas entspringende Ziz-Fluss hat sich in mühevoller Arbeit durch rotbraune Felsen gegraben – ein Weg, der seit Ewigkeiten von Karawanen genutzt wird. Südlich der Schlucht weitet sich das Land, der steinige Boden nimmt immer mehr Grautöne an, und in Merzouga sieht man schon bis zur algerischen Grenze. Jetzt ist nicht mehr weit bis zur größten Trockenwüste der Erde; die Vorboten der Sahara sind die Dünen von Erg Chebbi. Das hoch aufragende Sandmeer leuchtet je nach Sonnenstand goldgelb bis glutrot.

Am Ende unserer faszinierenden Reise durch Berge, Wüsten und Oasen nehmen wir Kurs auf Marrakesch, die rote Stadt der Berber, als „Perle des Südens“ neben Meknès, Fès und Rabat eine der vier Königsstädte und Namensgeber für das ganze Land. Die Ruhe der einsamen Bergdörfer mit den fröhlich winkenden Kindern liegt noch gar nicht lang zurück, und ist dennoch ganz weit weg: Der Verkehr in Marrakesch ist schnell, laut und hektisch.

Marokko ist im Gegensatz zu seinen Nachbarländern ein politisch stabiles und – nicht zuletzt durch die unübersehbare Polizeipräsenz – sicheres Reiseland. Motorradfahrer haben jedoch wenig Grund zur Sorge, solang sie die Regeln des Straßenverkehrs nicht exorbitant missachten. Wer im Gedränge der Souks seine Geldbörse unter der Kleidung trägt und den Rucksack nicht am Rücken, wird vermutlich keine schlechten Erfahrungen machen.

Fotografie und Reportage