Die „Perle des Indischen Ozeans“ verzauberte schon arabische Seefahrer und europäische Kolonialherren. Wir finden auf der schüchternen kleinen Schwester Indiens eine abwechslungsreiche Pflanzen- und Tierwelt, reiches Kulturerbe, viel Fahrspaß mit dem Motorrad und freundliche Menschen.
Generationsübergreifende Meinungsverschiedenheiten kommen in vielen Familien vor. Natürlich auch in den allerhöchsten. So mancher Erblasser erblasst früher als biologisch erforderlich, wenn der Nachlass allzu verlockend ist. Wenn sich der Zweitgeborene zu Höherem berufen fühlt, muss der große Bruder ebenfalls dran glauben – oder Reißaus nehmen. So floh Thronfolger Moggallana nach Südindien, als Kassapa seinen Vater, König Dhatusena, im Jahr 473 lebendig einmauern ließ. Anschließend errichtete der lebenslustige Usurpator einen Palast auf einem 200 Meter hohen, uneinnehmbaren Inselberg mitten im Dschungel – samt Infinity-Pool und Felszeichnungen von barbusigen „Wolkenmädchen“. Heute sind die Ruinen am Löwenfelsen Sigiriya eine der meistbesuchtesten Sehenswürdigkeiten von Sri Lanka. Die beste Aussicht auf den Palastberg hat man vom Nachberfelsen Pidurangala, wo vor allem beim Sonnenauf- und -untergang jene Bilder und Videos produziert werden, die jede Touristin und jeder Tourist in den (a)sozialen Netzen posten möchte.
Wer mit Dylan Wickrama Sri Lanka erkundet, muss sich nicht zwischen diesen beiden Points of Interest entscheiden. Zu viele Touristen, Schlange stehen in der Hitze – wir lassen beide aus. Ein Foto des Monoliths vom Straßencafé muss reichen. Auch wenn wir die Felsenfestung Sigiriya nur aus der Entfernung auf die Speicherkarte bannen, fahren wir nicht ohne Besichtigungen durch das „kulturelle Dreieck“, das von den drei ehemaligen Königsstädten Anuradhapura, Polonnaruwa und Kandy aufgespannt wird.












Typische Gefahrenquellen im Straßenverkehr sind großflächig auf der Fahrbahn zum Trocknen ausgebreiteter Reis, neugierige Affen, obdachlose Hunde – und natürlich andere Verkehrsteilnehmer. Beim Überholen zählt die Größe des Fahrzeugs mehr als die Sichtweite. Besonders Autobusse zeichnen sich durch situationselastische Ausnutzung der Fahrbahnbreite aus. Die Fahrer werden nach der Anzahl der Passagiere entlohnt, weshalb jeder als erster bei der nächsten Haltestelle ankommen möchte.






Eine Zimtfabrik ist ein kontemplativer Ort. In präziser Handarbeit werden die kostbaren Rinden geschnitten, gerollt und nach der Trocknungsphase – das Summen der Ventilatoren ist die einzige Lärmquelle im Raum – in Bündel zusammengefasst. Zimt war gemeinsam mit Kaffee das wichtigste Exportgut Sri Lankas, bis ein Pilz die Kaffeestauden befiel und die Plantagen zugrunde richtete.






1867 pflanzte der Schotte James Taylor die ersten Teebüsche in der Nähe von Kandy. Heute ist Sri Lanka nach China und Kenia die drittgrößte Tee-Exportnation, die Teepflanzen überziehen ganze Hügelketten mit einer unglaublichen Vielfalt an im Sonnenschein leuchtenden Grünschattierungen. Wer mit Dylan reist, darf sich auch Teefabriken anschauen, in die normalerweise kein Tourist eingelassen wird. Dunkle Hallen, in denen die Teeblätter getrocknet, zerkleinert und mit Maschinen aus den 1950er-Jahren gerollt werden. Anschließend folgt die Fermentation bei hoher Luftfeuchtigkeit, danach das Trocknen und Sortieren der Ware.






Während wir in der warmen Halle die verschiedenen Teesortierungen kennenlernen, prasselt ein kräftiger Regenguss auf das Blechdach. Kein Wunder, dass sich die Briten im vergleichsweise kühlen Klima des Hochlandes wie daheim gefühlt haben.

Fotografie und Reportage

