Bhutan: Bis zum Himalaya

Mit der Royal Enfield durch Bhutan: Sie beschleunigt wie ein angebundenes Yak, bremst homöopathisch – und passt daher exzellent in ein Land, in dem Entschleunigung fast als Nebenreligion gilt.


Elektrischer Strom, befestigte Straßen, öffentliche Schulen, Krankenhäuser, Telefon: Vor einer Generation noch unbekannt.

Bis vor einem halben Jahrhundert hatte sich kaum ein Fremder in die kleine, im östlichen Himalaya versteckte Erbmonarchie verirrt. Man hatte von der schwer zugänglichen Bergregion wohl gehört, doch in Ermangelung an Waren von hohem Wert und geeigneter Transportfähigkeit zeigte schon die East India Company kein gesteigertes Interesse an eingehender Erkundung.

„Wenn die Regierung kein Glück für ihr Volk schaffen kann, dann gibt es keinen Grund für die Existenz der Regierung.“

Aus dem verfassungsgebenden Rechtskodex aus dem 18. Jahrhundert

Bhutan ist kein reiches Land – zumindest, wenn man industrienationale Maßstäbe anlegt. Darum konterte Jigme Singye Wangchuck, der vierte Drachenkönig und Vater des aktuellen Regenten, eine Journalisten-Frage nach dem Bruttonationalprodukt des Landes spontan mit dem Staatsziels des Bruttonationalglücks (Gross National Happiness, GNH).

Auf den Pässen zwischen den Tälern – der höchste misst fast 4000 Meter – wurden Stupas und Chörten errichtet. Von deren Spitze sind unzählige bunte Gebetsfähnchen abgespannt, die im Wind flattern, sich so nach und nach auflösen und auf diesem Weg die Gebete in den Himmel tragen. Nach der traditionellen Farblehre verkörpert Blau den Himmel, Weiß die Luft, Rot das Feuer, Grün das Wasser und das sonnige Gelb die Erde. Das Safrangelb aus der diagonal geteilten Landesflagge steht hingegen für das Königshaus, das Orange für den buddhistischen Glauben.

Alle Bilder sind in zusätzlich zur gezeigten Vintage-Entwicklung auch in einer „normalen“ Farbversion vorhanden:

Kloster Taktshang 

Buddha Dordenma

Aus der überschaubaren Kraftentfaltung der Enfield, den ungesicherten Straßenrändern mit den dahinter lauernden Abgründen und der berauschenden Abfolge von Kurvenradien ergibt sich trotz des Fehlens von Beschilderung oder Überwachungsinfrastruktur eine genussvoll-entschleunigte Fortbewegung, die sich perfekt in den buddhistischen Alltag integriert.

Fotografie und Reportage