Burgenland: Heiß umfehdet, wild umstritten

Mehr als drei Jahrzehnte trennte hier der Eiserne Vorhang Europa. Nicht nur das kommunistische Regime, sondern auch die massiven Grenzbefestigungen setzten zunehmend Rost an – und sind heute, bis auf wenige mahnende Meter, entfernt.  


Die Ehre der Landeshauptstadt wurde Eisenstadt nur der Not gehorchend zuteil.

Nach dem Ende des ersten Weltkriegs fielen in den Friedensverhandlungen die deutschsprachigen Regionen Westungarns ab 1921 an Österreich – manche sehen darin einen kleinen Ausgleich für den Verlust Südtirols. Für das neue, östliche Bundesland der Alpenrepublik war ursprünglich die Bezeichnung „Vierburgenland“ vorgesehen, sollte es doch aus den ungarischen Komitaten Pressburg, Ödenburg, Wieselburg und Eisenburg bestehen. Bald zeichnete sich jedoch ab, dass Pressburg – heute Bratislava – an die Tschechoslowakei fallen würde. Da waren’s nur noch drei Städte, und ein Blick auf die Landkarte verrät: Auch die haben es nicht bis ins heutige Österreich geschafft. Kämpfe zwischen schwer bewaffneten ungarischen Freischärlern und der unterlegenen österreichischen Gendarmerie sollten die Grenze neu schreiben; das als Hauptstadt vorgesehene gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Ödenburg – heute Sopron – wurde nach einer (von ungarischer Seite gefälschten) Volksabstimmung 1922 offiziell wieder Ungarn zugeschlagen.

Seit dem Ende der Monarchie, mit dem Österreich den Zugang zur Adria verlor, ist der schlammig-trübe Neusiedler See das „Meer der Wiener“. Ein ausgesprochen seichtes Meer, denn der als Nationalpark geschützte Steppensee misst an seiner tiefsten Stelle lediglich 1,5 bis 1,8 Meter – Tendenz sinkend; 1868 war er zuletzt vollständig ausgetrocknet. Ein Pipelineprojekt zur Zuführung von Donauwasser ist ebenso teuer wie in seinen möglichen Auswirkungen umstritten.

Weltgeschichte wurde westlich des Neusiedler Sees geschrieben. Am ehemaligen Flugplatz von Trausdorf an der Wulka erinnert ein Kreuz an den Besuch von Papst Johannes Paul II im Juni 1988. Zum Feldgottesdienst durften auch Bürger aus dem damaligen Ostblock anreisen – ein erster kleiner Riss im Eisernen Vorhang.

„Das tritt nach meiner Kenntnis – ist das sofort, unverzüglich.“

SED-Politbüromitglied Günter Schabowski in der historischen Pressekonferenz vom 9. November 1989

Und am 19. August 1989 veranstalteten Otto von Habsburg und ungarische Oppositionelle das „paneuropäische Picknick“, bei dem ein Grenztor mit behördlicher Genehmigung symbolisch für drei Stunden geöffnet werden sollte. Eine Gelegenheit, die sich zahlreiche Urlauber aus der DDR nicht entgehen ließen, um in den Westen zu flüchten.

An jenem Tag schlug man an der kleinen Landstraße zwischen Sankt Margarethen und Sopronkőhida den ersten Stein aus der Berliner Mauer, drei Monate später wurde sie mit dem Satz „Das tritt nach meiner Kenntnis – ist das sofort, unverzüglich.“ zum Abriss freigegeben. Der kleine Park mit dem „Tor zur Freiheit“ und informativen Schautafeln erinnert als Geheimtipp unter den Sehenswürdigkeiten des Burgenlandes an den Anfang vom Ende des Eisernen Vorhangs.

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