Ein großer Stausee, historische Städte, kurvenreiche Straßen durch uralte Wälder: Der Böhmerwald im Süden Tschechiens ist ein lohnendes Ziel zum Motorradfahren.
Zwei Promille sind viel, wenn es um die im Blut zirkulierende Menge an Alkohol geht. Zwei Promille sind wenig, wenn es sich um die Neigung eines Kanals handelt, den man in freier Natur buddelt.
Zwei Millimeter Gefälle pro Laufmeter, und das für eine Strecke von mehr als 50 Kilometern. Anno 1789, also ganz lang vor der Erfindung von Lasermessegräten und ähnlichem neumodischem Tand. Der Schwarzenberg’sche Schwemmkanal ist ein technisches Meisterwerk seiner Zeit. Vom Quellgebiet der Moldau ausgehend überwindet der Kanal mit einem ausgeklügelten System von Bächen, Durchlässen und Schleusen sogar die europäische Hauptwasserscheide. Damit konnte das an den nördlichen Hängen des Böhmerwaldes geschlägerte Holz bis zur Großen Mühl in Oberösterreich geschwemmt werden, von dort weiter zur Donau und bis nach Wien. Denn in der schnell wachsenden Reichshauptstadt waren das Brennholz knapp, und die Holzpreise entsprechend hoch.












Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Grenzregion auf tschechoslowakischer Seite weitläufiges Sperrgebiet, um ausreisewillige Bürger an der Flucht aus ihrem Freiluft-Gefängnis zu hindern.
Der Holzreichtum Südböhmens ist bis heute beeindruckend. Direkt an den Nationalpark Bayerischer Wald schließt der Nationalpark Šumava an, der schönste Teil des Böhmerwaldes. Šumava, „die Rauschende“, bedeutet im Altslawischen schlicht „Wald“. Beides ist nicht übertrieben. Die über Staatsgrenzen zusammenhängende Waldschutzfläche hat ihre Existenz als „grüne Lunge Europas“ natürlich auch der jahrzehntelangen Abschottung der russischen Einflusszone im Herzen Europas zu verdanken. Sudetendeutsche wurden vertrieben, Dörfer dem Erdboden gleichgemacht oder dem natürlichen Verfall überantwortet. Am rechten Ufer der Moldau blieb die Natur sich selbst überlassen, das Verkehrsnetz beschränkte sich auf die geschotterten Kolonnenwege der Grenzpatrouillen. Genau diese wollte ich mir jetzt endlich aus der Nähe ansehen.

Recherche der Route, Fotografie und Reportage
