Moto Guzzi Experience Tunesien: Tradition und Moderne

Wir erleben auf unserer Reise durch Tunesien Dromedare im Querverkehr, staunen über Sanddünen bis zum Horizont, fahren entlang endloser Olivenhaine und besuchen römische Ruinen mit UNESCO-Gütesiegel ebenso wie Drehorte von legendären Hollywood-Produktionen.


Die wichtigste Redewendung Tunesiens ist In schā’ Allāh, was den Eintritt eines Ereignisses davon abhängig macht, „so Gott will“.

Die Bandbreite des Einsatzspektrums von In schā’ Allāh reicht von „hoffentlich“ über „vielleicht“ und „ich habe keine Ahnung und es ist mir echt egal“ bis zu „ich kann’s mir nicht vorstellen, aber ein glattes nein wäre unhöflich“. Wird die Zollprozedur bei der Einreise nach Tunesien in drei Stunden erledigt sein? Werden wir das Hotel vor Sonnentergang erreichen? Schaffen wir es bis zur nächsten Tankstelle? Finden wir aus der Medina wieder zum Hotel zurück? Haben wir bei der Einreise wirklich alle Stempel bekommen, damit wir auch wieder ausreisen dürfen? Für diese und ähnliche Fragen ist In schā’ Allāh die perfekte Antwort.

© Andrea Leggieri

Rund 200.000 Dattelpalmen trennen Tozeur vom lebensfeindlichen Salzsee Chott el-Jerid. Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar reiten in Karl Mays Roman ebendort „Durch die Wüste“, der mitunter tückisch weiche Untergrund wurde dereinst für so manche Karawane zur unentrinnbaren Falle. Unser Guzzi-Konvoi quert die weiß-braun-graue, in gleißendes Licht getauchte Ebene natürlich auf der asphaltierten Straße. Im Osten der gewaltigen Salzpfanne liegt der Ort Douz, der gerne mit dem Beinamen „Tor zur Wüste“ beschrieben wird. Noch „wüster“ ist die Umgebung des Zelt-Hotels in Ksar Ghilane, einer Palmenoase rund um ein schlammiges Thermal-Wasserloch, das am Nachmittag gesteckt voll mit Touristen ist. (Dann doch lieber der Hotelpool.)

Quer über die Fahrbahn reichende Sandverwehungen sind jederzeit möglich, tiefe Sandpassagen nicht auszuschließen. Sehen wir es positiv: Wenn die Schwerkraft dort zuschlägt, landen Guzzi und Guzzisti weich.

Wer ein paar Schritte aus der Hotelanlage macht, kann schon auf die ersten Dünenkämme klettern, und wer ein paar Schritte mehr macht, merkt sich hoffentlich den Weg zurück. Quadtouren zu den Überresten einer römischen Festung sind ebenso im Angebot wie schaukelige Kamelritte, und wer einfach nur seine Ruhe haben mag, genießt den kitschig-schönen Sonnenuntergang vom Aussichtsturm. Im Vergleich zu früheren Jahren ist der Ort sehr touristisch geworden, denn die ehemalige Pipelinepiste nach Ksar Ghilane ist mittlerweile durchgehend betoniert bzw. asphaltiert.

Der letzte volle Tag unserer Tunesienreise beginnt mit einem Besuch der Medina von Kairouan, der viertheiligsten Stadt des Islam nach Mekka, Medina und Jerusalem. Für uns sind es die letzten Eindrücke eines Landes, das uns gleichermaßen beeindruckt wie überrascht hat, fasziniert und erschreckt. Ob wir wiederkommen werden, will der Grenzpolizist im Hafen von Tunis wissen. Die Antwort liegt auf der Hand: In schā’ Allāh!

Fotografie und Reportage