Waldviertel: Mohntags-Ausfahrt

Euer Magen hat ein Mitspracherecht bei der Ausflugs- und Urlaubsplanung? Und er hat Geschmack? Dann wird euer Gaumen die kulinarische Vielfalt des niederösterreichischen Waldviertels schätzen, euer Auge die prachtvollen Naturschönheiten – und euer Motorradfahrer-Herz die verkehrsarmen Straßen.


Die ganze Motorradsaison, vom Spätfrühling bis in den Herbst hinein, zeigt das Waldviertel eine Farbenpracht auf den Feldern und Äckern. Keineswegs darf man im kulinarischen Farbenspiel das hellgrün sprießende, später goldgelb heranreifende Getreide und das helle Olivgrün des Hopfens unerwähnt lassen. Die Seele des Biers, wie der Hopfen bezeichnet wird, ist schon seit dem Mittelalter im Waldviertel beheimatet. Neben der später auf unserer Route liegenden Bezirkshauptstadt Zwettl mit einer überregional bekannten Privatbrauerei muss beim Thema „Getreide“ die Whisky-Erlebniswelt der Familie Haider Erwähnung finden. Mit der ersten Whiskydestillerie Österreichs haben sie in Roggenreith – mitten im landschaftlichen Nirgendwo – einen beeindruckenden Erfolg gelandet.

Im Gegensatz zum afghanischen Schlafmohn hat man dem Waldviertler Graumohn seinen Opiatgehalt längst weggezüchtet. Die dennoch nicht zu unterschätzende Suchtgefahr betrifft die vielen Süßspeisen, die ihre Geschmacksnote dem „grauen Gold“ verdanken: Mohnnudeln, Mohnknödel, „Zelten“, „Tatschkerln“, Mohnstrudel oder Mohneis stehen auf den Speisekarten.

Nach und nach reift im Frühsommer ein buntes Blütenmeer zu besonderen Waldviertler Spezialitäten heran – ein ganz besonderes Schauspiel bietet sich dem Besucher jedoch Ende Juni bis Mitte Juli: Die Mohnblüte. Den Anfang macht das östliche Waldviertel im Raum Horn. Nach und nach folgen das Gebiet um Zwettl/Oberwaltenreith und später die langgestreckten Felder rund um das „Mohndorf“ Armschlag. Während die gesamte Mohnblüte (je nach Wetter) rund drei Wochen andauert, blüht jede einzelne Pflanze lediglich einen einzigen Tag. Schon am nächsten Morgen wirft sie ihre vier weißen, lilafarbigen oder klassisch roten Blütenblätter ab. Von nun an geht die ganze Kraft und Energie in die Reifung der Samen in den Kapseln. Spätestens im August, wenn sich die Kapseln braun gefärbt haben und man den Mohnsamen rascheln hört, ist Zeit für die Ernte – die mittlerweile per Mähdrescher eingebracht wird. Nur wer die Kapseln für Dekorationszwecke benötigt, erntet sie noch in mühevoller Handarbeit.

Recherche der Route, Fotografie und Reportage