Argentinien: Bis zum Himmel hoch

Wilde Lamas, Weingärten auf 3000 Metern Seehöhe und die höchste Passstraße Südamerikas locken in den Nordwesten Argentiniens – ein Land, über dem 350 Tage pro Jahr die Sonne lacht.


Bei 4 Grad und Wind ist klar, warum die meisten Leute auf den im Internet stolz geposteten Fotos ein Hauberl tragen.

Wir wollen hoch hinaus. Und haben mit dem Quartier in San Antonio die besten Voraussetzungen, denn lediglich 30 km Schotter auf der legendären Ruta 40 trennen uns vom höchsten Pass Südamerikas, der – große Ausnahme – von Norden nach Süden führt, von Argentinien nach Argentinien. Die Nordseite der Abra del Acay zieht in breiten, gut fahrbaren Kehren hinauf, von San Antonio sind es ja „nur“ knapp 1200 Höhenmeter.

4895 Meter verrät das Holzschild, das einstige Blechtaferl ist nicht mehr vor Ort. Am Navi stehen allerdings 4966 Meter. 15 Meter Toleranz darf man bei der GPS-Höhenmessung schon einrechnen, was wiederum mit den anno 2000 vom Space Shuttle aus gemessenen 4950 Metern Seehöhe korreliert. Mit anderen Worten: Die Tafel untertreibt.

Das noble Weingut Colomé ist nur über eine Straße erreichbar, die das Prädikat „wirklich schlecht“ selbst nach Südamerika-Maßstäben mehr als verdient.

Der nächste Höhepunkt ist ein gastronomisch-önologischer: Colomé. Das älteste Weingut Südamerikas besitzt den höchsten Weingarten der Welt – auf mehr als 3000 Meter. (Zum Vergleich: Österreichs höchste Weinreben wachsen auf 560 Meter am steirischen Kitzeck.) Der Besitzer der Domäne ist Donald Hess, ein Schweizer, der insgesamt sieben Weingüter auf der ganzen Welt besitzt. Als Jahresproduktion seines argentinischen Sammlerstücks werden schlanke 1.000.000 Liter Wein angegeben, 20 Prozent bleiben in Fässern zurück bzw. sind sonst nicht nutzbar, bleiben also mehr als 1 Mio. Bouteillen über. Brutto.

Das landschaftliche Highlight am Weg nach Cafayate, der Weinhauptstadt der Region, sind die hellen Sandsteinformationen der am Río Calchaquí gelegenen Quebrada de las Flechas. Die Schlucht verdankt ihren Namen den schmalen Spitzen, die wie Pfeile aus einer Mondlandschaft in den Himmel ragen.

Argentinien ist mit einer Fläche von knapp 2,8 Mio. Quadratkilometern der achtgrößte Staat der Erde und das größte spanischsprachige Land der Welt. Wegen seiner großen Nord-Süd-Ausdehnung von 3694 Kilometer hat das Land Anteil an mehreren Klimazonen und Vegetationszonen. Die von uns bereiste Region benötigt aufgrund der Temperaturunterschiede zwischen Berg und Tal die gesamte Bekleidungspalette, vom Fleecepulli bis zum Funktionsshirt, und mit Pech auch noch das Regengewand. Die beste Reisezeit ist, wenn das Nummerntaferl des eigenen Motorrades bei der Versicherung überwintert.

Recherche der Route, Fotografie und Reportage