Die Große Mühl, die Kleine Mühl und die Steinerne Mühl gaben dem sanften Hügelland nördlich der Donau seinen Namen. Es gehört zu den Geheimtipps in Österreich – die Schlögener Donauschlinge ist deutlich prominenter.

Auf ihrem Weg zum Schwarzen Meer hat sich die Donau durch zwei besonders widerspenstige Abschnitte österreichischer Scholle gegraben. Während sich die Wachau wegen ihrer Nähe zu Wien, den Weingütern von Weltgeltung und Richard Löwenherz’ Kerker in Dürnstein des touristischen Ansturms kaum erwehren kann, geht es in Oberösterreich deutlich entspannter zu.
Der beste Platz zur Beobachtung der Mäander ist der Aussichtspunkt Schlögener Blick, für den knapp zehn Minuten Fußweg investiert werden müssen.
Von Passau bis Aschach ist der Strom zwischen seinen 300 bis 500 Meter hohen Uferhängen, den „Donauleiten“, eingezwängt. Zweimal ändert die Donau auf wenigen Kilometern ihre Richtung um 180 Grad, um sich ihren Weg entlang einer Bruchlinie der Böhmischen Masse zu bahnen. In alter Zeit war diese Schlüsselstelle für die Schifffahrt einer der gefährlichsten Abschnitte des Donaustromes, heute ist der Flusslauf durch den Rückstau der Kraftwerke deutlich zahmer.
Direkt am Donauufer führen die Treppelwege entlang, auf denen die Schiffe in früheren Zeiten von Pferden stromaufwärts gezogen wurden. Dort, wo die steilen Donauleiten keinen Weg zulassen, ist eine Fährverbindung für Radfahrer eingerichtet. Für Kraftfahrzeuge sind diese Straßen daher früher oder später eine Sackgasse – aber es sind sehr, sehr schöne Sackgassen.












Wir genießen Straßen, die zwischen saftigen Wiesen und sauber gepflügten Äckern entlangführen, deren Furchen sich am Horizont verlieren. Sanft durch die Landschaft rollende Hügelketten wechseln sich mit kleinen Waldstücken ab, mitunter schummelt sich auch ein kleiner Bachlauf dazwischen hinein.
Das Stift Schlägl ist der geistliche Mittelpunkt des oberen Mühlviertels mit 800-jähriger Geschichte und eigener Stiftsbrauerei. Auch die Pfarrkirche zum hl. Johannes Evangelist ist sehr eindrucksvoll, sie dominiert den Marktplatz von Aigen. Im Schatten des Pressmayr-Hofes in Schwackerreith gönnt sich Clemo ein Böhmerwald-Cola aus dem „Selbstbedienungs-Kastl“, bevor wir im Nachbardorf zum Ortstafel-Selfie schreiten: Fucking haben sie uns genommen, aber Sexling gibt es noch.
Skurrile Verführungen der eigenen Wahrnehmung erleben wir in der Villa Sinnenreich in Rohrbach-Berg. Das Ortsbild von Neufeld an der Großen Mühl prägen die Fassaden der Bürgerhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert, als der Leinenhandel seine Hochblüte erlebte. Nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten die sowjetischen Besatzer ein Lagerhaus für die Bauerngenossenschaft. Der mittlerweile ausgediente, 25 Meter hohe Getreide- und Düngemittelsilo hat sich mit 448 abgefahrenen Autoreifen zur Kunst-Landmark gewandelt. Auch die ohne Gleise abgestellte Zuggarnitur ist ein Kunstprojekt.

Recherche der Route, Fotografie und Reportage für das Motorradmagazin


